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Jongleure - große Geschicklichkeitskünstler, deren zeitlose Kunst,
die Jonglage, immer wieder begeistert
Jongleure können mit spielerischer Leichtigkeit der Schwerkraft ein Schnippchen
schlagen, ein Publikum verblüffen, unterhalten und aus der Reserve locken.
Und das alles, indem sie Dinge tun, die man bisweilen für physikalisch
unmöglich halten würde, wenn man sie nicht gerade mit eigenen Augen
gesehen hätte. Dabei verwenden Jongleure keinen Pfusch, täuschen in
aller Regel nichts vor, sondern haben die präsentierten Kunststücke
nur jahrelang einstudiert. Im Laufe vieler hochkonzentrierter Übungseinheiten
entwickelt ein Jongleur eine
enorm hohe Vertrautheit mit seinen Requisiten. Er kennt aus hunderten Versuchen
die Flugeigenschaften von Keule, Ring oder Ball auf das Genaueste und kann auch
bei einem geringfügig ungenauen Abwurf schließlich das Ergebnis antizipieren
und das Requisit wieder fangen.
Jongleure werden oft als meisterliche Fänger der unterschiedlichsten Objekte,
seien es Bälle, Ringe, Keulen, Messer oder Dinge des täglichen Lebens,
wahrgenommen. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde bei dem Versuch, das Fremdwort
"Jongleure" zu umgehen bzw. einzudeutschen auch vermehrt der Begriff
"Wurf-Fang-Künstler" verwendet. Aber beide Wahrnehmungen gehen
an der Wirklichkeit insofern vorbei als ein Jongleur in erster Linie ein Wurf-Künstler
ist. Natürlich muss er für eine erfolgreiche und flüssige Darbietung
die geworfenen Jonglier-Objekte auch wieder fangen, aber diese Aufgabe wird
umso leichter umso exakter eben der Wurf vorher gewesen war. Ein guter Jongleur
bzw. eine gute Jongleuse wird daher fest die ganze Energie und Konzentration
darauf verwenden, nicht in Situationen zu gelangen, wo man einen Fehlwurf "retten"
muss, sondern von vorneherein versuchen, möglichst sauber und mühelos
zu jonglieren. Trotzdem: die besten Jongleure sind dennoch auch allesamt großartige
Fänger, aber überspitzt formuliert kann man sagen: das Fangen der
Jongleure ist nur ein hochgezüchteter Reflex während das Werfen die
wahre Kunst der jongleure darstellt.
Die Kunst der Jongleure gibt es schon seit der Steinzeit. Bereits vor mehreren
tausend Jahren wurden Kugeln und Messer jongliert, wenn man den gefundenen Bildern
und Wandmalereien trauen darf. Genau welche Fertigkeiten die frühen Jongleure
besaßen und welche ihnen lediglich von überforderten Augenzeugen
(überfordert von der Komplexität der Jonglage)
angedichtet wurden, ist im Nachhinein nicht zu eruieren. Heutzutage lässt
sich die Leistung eines Jongleurs gut per Video dokumentieren, aber selbstverständlich
ist auch dieses Medium gegen (Ver-)Fälschungen nicht gefeit.
Lange Jahre genossen Jongleure nur sehr geringes Ansehen, man siedelte ihre
Kunst in der Nähe von Taschenspielerei und sogar Trickbetrug an, stufte
die Jonglage als gefährlich und unnütz ein. Erst im Laufe des 19.
Jahrhunderts tauchten Jongleure auf, die der alten Kunst neuen Stil gaben, damit
die Jonglage salonfähig machten und dem Genre neues Leben einhauchten.
Ein Beispiel: der Jongleur kommt als feiner Herr in einen Billardsalon, entledigt
sich seines Hutes und bevor er diesen auf den Haken an der Wand wirft (!) zeigt
er mit diesem Hut noch ein paar tolle Jongliertricks: der Hut wird über
die Arme gerollt, in die Luft geworfen und auf Kopf, Ellenbogen und Fuß
gefangen. Dann greift sich der Jongleur drei Jonglierbälle
und beginnt diese zu manipulieren. Kurz darauf jongliert er drei Billardqueues,
die er abschließend balanciert, je einen auf dem Daumen und den dritten
auf dem Kinn. Das Genre der Gentlemenjongleure war geboren.
Es waren Jongleure, die in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts in den USA
eine Renaissance der Straßenkunst einläuteten und es waren auch Jongleure
mit ihrer Innovationskraft beteiligt, als das Variete in Deutschland in den
80er Jahren neuen Schwung bekam.
Der zu seiner Zeit unbestrittene König der Jongleure, Enrico Rastelli,
hat sich tagein, tagaus und meistens in jeder wachen Minute mit der Kunst des
Jonglierens beschäftigt. Er trainierte unermüdlich und erlangte so
in vielen Bereichen der Jonglage eine bis dato unerreichte Perfektion. So war
er unter anderem in der Lage, kurzzeitig zehn Bälle zu jonglieren oder
auch sechs Scheiben bei gleichzeitigem Tippen eines Balles auf dem Kopf. Außerdem
war er einer der begnadetsten Balanceure, die die Welt der Jongleure jemals
gekannt hat. Eine Balance ist für viele Menschen schon eine Harausforderung
(man denke an den Besenstiel auf der Handfläche), eine Doppelbalance (je
einen Besen pro Hand!) erfordert bereits ein monatelanges Training. (Wie in
vielen anderen Kunstfertigkeiten auch, wächst die zu investierende Zeit
exponentiell an.) Enrico Rastelli aber schaffte bis zu sechs Balancen gleichzeitig!
Er konnte die Balancen halten, musste diese allerdings mit der Hilfe von Assistentinnen
aufbauen. Da der Aufbau recht statisch war, waren diese Hochleistungen der Balancierkunst
für das Publikum weniger spektakulär als für die Fachwelt der
Jongleure.
Besonders heikel ist in den Augen der Zuschauer das Jonglieren mit offenem
Feuer (Fackeln, Feuerfackeln). Hierbei hat die Jongleurin bzw. der Jongleur
eine modifizierte Keule in der Hand, die einen mehr oder weniger normalern Griff
hat, am anderen Ende aber einen mit Docht umwickelten Metallstab (bei älteren
Ausführungen auch Holzstab) besitzt. Dieser Docht wird in brennbare Flüssigkeit
(bspw. Lampenöl oder auch eine Lampenöl-Benzin-Mischung) getunkt und
vor der Jonglage entzündet.
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